KÜNSTLERISCHE ELEMENTE

Es geht uns dabei um das Lernen und Erfassen von Inhalten und Zusammenhängen für die Klienten und Teilnehmer von Seminaren und Trainings mit den fünf Sinnen. Hierfür kommen u.a. kunstpädagogische Methoden zum Einsatz für die Ausstattung von Seminar und Trainingsräumlichkeiten und verschiedene Formate für den Ablauf der Veranstaltungen an sich. Um einen größtmöglichen didaktischen Effekt zu erzielen, sind beim Vermitteln und Entwickeln von Neuem grundsätzlich alle Wahrnehmungssinne anzusprechen, ebenso sind alle Kommunikations- und Lerntypen zu berücksichtigen. Die Menschen präferieren häufig von den zur Verfügung stehenden fünf Sinnen (visuell, auditiv, kinästhetisch, olfaktorisch und gustatorisch – VAKOG) häufig ein bis zwei Sinneskanäle. Im Seminar- und Trainingskontext eignen sich am ehesten die visuellen, auditiven und kinästhetischen Möglichkeiten, Lernstoff interessant und einprägsam zu vermitteln. Visuell können Charts, Lernposter, Filme, Requisiten (Lerngegenstände), Beleuchtung und Bilder (extern visuell) sowie Lerngeschichten und innere Bilder (intern visuell) eingesetzt werden, auditiv das gesprochene Wort mit Tonalitätsmodulation, Musik, Lerngeschichten und Metaphern (extern auditiv) oder der interne Dialog (intern auditiv) und kinästhetisch Lernspiele, Lerngegenstände (extern kinästhetisch) sowie mit Geschichten, Ankern und Lernerfahrungen verbundene Emotionen (intern kinästhetisch) Verwendung finden. Das sogenannte Behaltensmodell beschreibt diese Zusammenhänge deutlich im Kontext des sog. erlebnisorientierten Lernens. Menschen behalten danach 10 % des Lehrstoffes durch Lesen, 20 % durch Hören, 30 % durch Sehen, während 50 % durch Hören und Sehen, 70 % durch selber sagen und 90 % durch selber tun fest ins das Gedächtnis integriert wird!
Künstlerische Elemente
In Anlehnung an: Vester: Denken, Lernen, Vergessen. 1998; Ackermann: Seminare lebendig gestalten – kreativ lehren und lernen. 2001, S. 32-46.

Die Seminar- und Lernumgebung ist von Anfang an kreativ zu gestalten. Hier finden Dekorationen und Pflanzen Verwendung, die Raumeinteilung für verschiedene Phasen ist ebenso wichtig wie die Veränderung der Umgebung im Seminarverlauf: Groß- und Kleingruppenarbeit wechselt mit dem Plenumsgroßkreis, kleinen Stuhlkreisen, Paar-, Boden- und Wandarbeit, und regelmäßiger Sitzplatzwechsel wird angeregt.

Lehrmaterialien, Requisiten und Erinnerungsstücke helfen zu behalten und die Inhalte später wieder abzurufen. Neben den üblichen Papierunterlagen oder CDs und laminierten Lernkarten mit Inhaltszusammenfassungen gilt, dass der Behaltenseffekt umso größer ist, je ungewöhnlicher die Gegenstände sind. Der Kreativität sind hier bis auf die Grenzen des guten Geschmacks so gut wie keine Grenzen gesetzt:

  • ein Thermometer mit der Hand umschließen mit sichtbar steigendem Temperaturpegel als Metapher für Motivation,

  • Einen echten 500 –Euro Schein hochzeigen, um die Wirkung – oder Nichtwirkung von Geld als Anreiz zu demonstrieren,

  • einen Schuh unsanft auf den Tisch legen (Chruschtschow) als Demonstration für autoritären Führungsstil.

  • einen Regenschirm aufspannen, um Sicherheit zu symbolisieren und vieles mehr.

Mit den Requisiten können in Kombination Lernlandschaften im Raum geschaffen werden, die Assoziationen zum Lernstoff herstellen, durchschritten werden können und den Perspektivwechsel der Lernenden anregen. Je ausgefallener und auffälliger die Requisiten sind, desto einprägsamer sind sie. Auch gute Geschichten mit hoher semantischer Dichte können „Requisiten“ sein und wie auditorische oder visuell interne Anker wirken (mehr oder weniger stabile neurophysiologische Verknüpfungen von Sinnesreizen und emotionalen Reaktionen sowie Erinnerungen im Lernprozess)

Für verschiedene Themen oder dramaturgische Seminarelemente können Raumanker für Positionen und Zeitbezüge eingeführt werden. So kann es eine Position im Raum geben, von der der / die Trainer/Moderatoren regelmäßig „dozieren“ , von einer anderen wird ggf. moderiert, von wieder einer anderen werden Fragen beantwortet. Auch die sog. „Timeline“ ist ein solcher Anker im Raum. Vom Teilnehmer aus betrachtet ist „rechts“ in Schreibrichtung häufig Zukünftiges verortet. Poster und Inhalte zur Zukunft stehen dann auch im Raum in dieser Richtung. Die Sprache wird vom Moderator mit entsprechender unterstützender Gestik für Zukünftiges nach rechts zeigend unterstützt, während Vergangenheit links in der Gestik verortet ist.

Musik im Training oder in Seminaren und Konferenzen kann eine ganz besondere Rolle spielen. Hierbei ist die Auswahl besonders wichtig. Die emotionale Komponente und der Rhythmus der Musik sind präzise mit den verschiedenen Stimmungs- und Lernphasen der Konferenz abzustimmen. Kognitives und affektives Lehren und Lernen und Verstehen gehören zusammen!

Insbesondere eignen sich spielerische und gestalterische Elemente wie die „beliebten“ Rollenspiele oder aktives und passives Unternehmenstheater und künstlerisches Gestalten, um neue Verhaltensweisen zu erproben, einen Perspektivwechsel zu erleben, Ernstes und scheinbar Bedrohliches humorvoll aufzuarbeiten oder einfach einmal die Kraft von Bildern auszuprobieren, die sprichwörtlich „mehr als 1000 Worte sagen“. Ebenso schafft am Ende eines Seminartages oder eines Changeprozesses das Malen und Herstellen von Bildern und Lernkollagen sowie von Skulpturen, Mobiles, Flickenteppichen etc. aus gestalterischen Materialien (Styroporkugeln, Steine, Holz, Stoffen) einen sowohl persönlichen Bezug zum Seminar und Lerninhalt als auch einen gruppendynamischen, wenn das „Werk“ gemeinsam mit Freude hergestellt worden ist.